Rubrik: Neukölln

Falkstraße 22-23

Die Projektbeschreibung:
Ziel war die künstlerische Fassadengestaltung von Erdgeschosszonen der Ringhäuser Morusstrasse 20-22, Falkstrasse 22-23 und Falkstrasse 20 in Berlin, Neukölln. Geführt wurde das Projekt zwischen September 2000 und Juli 2001 durch den bildenden Künstler CARLéM mit dem BEQUIT-Projekt “ANTI-GRAFFITI” im Rahmen des Jugendsoforthilfeprogramms unter Beteiligung einer Arbeitsgemeinschaft der kunstbetonten Neuköllner “REGENBOGENSCHULE”.
Das Projekt wurde finanziert von der Senatsverwaltung des Landes Berlin – im Rahmen des Programms `Soziale Stadt – Wohnumfeldverbesserung´ unterstützt von der STADT und LAND Wohnbautengesellschaft. Das Jugendsoforthilfe-Projekt ANTI-GRAFFITI des Kooperationspartners BEQUIT wurde vom Arbeitsamt-Berlin finanziert.

Der Ort:
Die Erdgeschosszonen der drei nebeneinander befindlichen Wohnblöcke sollten künstlerisch ausgestaltet werden. Die fast identischen Wohnblöcke, die …. vom Architekten Herr Prof. Schmock im Rollberg-Viertel erbaut wurden, befinden sich entlang einer verkehrsberuhigten und begrünten Zone mit verschiedenen Freizeiteinrichtungen.

Die Grundidee:
Die Idee sah einerseits den philosophischen Kontext mit dem Namen MORUSSTRASSE (Thomas Morus), andererseits nahm sie Bezug auf den unterschiedlichen sozialen Kontext des Rollberg-Viertels. Unter Berücksichtigung der Gliederung der drei Gebäudekomplexe wurden die Erdgeschosszonen mit folgenden Themennamen gestaltet.


PARADIES – Morusstr. 20 – 22
ARCHE – Falkstr. 22 – 23
WALFISCH – Falkstr. 24

Die Gestaltung sollte so eine eigene Identität für diese drei der insgesamt fünf Ringhäuser an ihrer problematischsten Ansichtsseite schaffen.

Das künstlerisch-pädagogische Konzept:

Das Gesamtkonzept sah die Einbindung folgender Zielgruppen in den künstl. Entstehungsprozess vor:

Die Jugendlichen sollten …..

  • handwerkliche Tätigkeiten erlernen
  • an individuelle Umsetzungsprozesse herangeführt werden
  • Fantasie und Kreativität in Bezug auf die Gestaltung ihres eigenen Wohnumfelds entwickeln
  • und dadurch an Identifikation mit dem sozialen Kontext gewinnen.
  • Die Schüler sollten …..

  • in besonderer Weise gefördert und gefordert werden
  • ihre künstlerischen Fähig- und Fertigkeiten ausserhalb der Schule unter Beweis stellen
  • und durch die Arbeit im Umfeld an Identifikation mit ihrem Wohnviertel gewinnen.
  • Für die Anwohner …..

  • stellte das Projekt eine mittelbare Teilnahme am künstlerischen Prozeß dar.
  • Durch Austausch und Kommunikation sollte ihnen die Möglichkeit zur Einbindung und Identifikation geboten werden.
  • Ablauf der künstlerischen Gestaltung:
    1. Der Künstler stellte drei zum jeweiligen Gebäude definierte Bildskizzen her, die den gesamt-gestalterischen Rahmen vorgaben.
    2. Die genehmigten Entwürfe wurden gemeinsam mit den Jugendlichen des BEQUIT-Projekts unter Anleitung der Projektleiterin, Frau Manuela Schicks-Janßen, ausgeführt.
    3. Schon während der oben genannten Arbeiten begann die Schülergruppe der Regenbogenschule mit dem künstlerischen Findungsprozeß im Rahmen der Kunst-AG.
    4. In vom Künstler vorgegebenen Zonen wurden die verschiedenen individuellen Entwürfe der Schüler gemeinsam mit dem Jugendprojekt umgesetzt.
    5. Abschließend (2001) wurden die gestalteten Fassadenbereiche mit einem lösemittelfreien, ökologischen Anti-Graffiti-Schutzanstrich auf Basis von CAPAPLEX gegen Vandalismus geschützt.

    Einweihung und Übergabe der Wandbilder:

    Am 13.07. 2001 wurden die drei Wandbilder feierlich der Wohnbautengesellschaft und den Anwohnern übergeben.

    Anwesend waren viele am Wandbild Beteiligte, interessierte Anwohner und offizielle Vertreter der Stadt und Land Wohnbautengesellschaft. Prominenz aus Kultur und Politik ließ es sich nicht nehmen, der Einweihung beizuwohnen. Zu nennen sei hier beispielhaft der Botschafter der portugiesischen Republik, S.E. Herr Joao Diogo Nunes BARATA und der damalige Bezirks-Bürgermeister, Herr Professor Manegold.

    Als besondere Würdigung des Künstlers hielt der extra aus Braunschweig angereiste Kunstprofessor, Herr Professor Georg Kiefer, eine Ansprache. Darin wies er auf die besondere Beziehung des Literaten Thomas Morus zu dem Begriff UTOPIA hin und versuchte diese zu erklären. Er beschrieb eindrucksvoll auch gerade die psychischen Anforderungen, die bei der Vorplanung und Erstellung eines solchen Wandbildes in multikulturellen Projekten unweigerlich entstehen.

    Abschließend wurde von Professor Kiefer festgestellt, dass dies Wandbild ‘UTOPIA’ als Ergebnis eines Projekts der Praxis, der Integration und der Toleranz entstanden ist und als solches von unschätzbarem Wert sei. So ganz nebenbei sei dies wohl auch das längste zusammenhängende Wandbild Europa´s.

    Im Rahmen des Festaktes wurde allen anwesenden Beteiligten (Kindern, Jugendlichen u. Offiziellen) ein Diplom des Künstlers überreicht